Warum ekeln wir uns vor essbare Insekten?

Du kannst mich für verrückt erklären und bei der Vorstellung, Insekten zu essen, würgen, oder du sagst: Interessant, das würde ich gerne ausprobieren.
 Mehlwürmer oder andere essbare Insekten sind interessant und vor allem, weil sie bei Menschen so schöne Reaktionen hervorrufen. Zu Weihnachten hatte ich z.B. Schokolade mit Mehlwürmern für die Großfamilie gemacht. Nur einer von den Erwachsenen hat sich getraut, die Schokolade zu essen, aber die Kinder haben ganz viel davon gegessen.


Einer der Erwachsenen fragte mich auch, warum ich keine Angst vor essbare Insekten habe. Das ist eine gute Frage. Ja, warum habe ich keine Angst? 
In den meisten westlichen Ländern wird die Entomophagie (das Essen von Insekten) mit Abscheu betrachtet. Man kann sagen, dass die meisten Menschen eine so starke Abneigung haben und nicht einmal in Erwägung ziehen, Insekten zu probieren. Ekel bildet eine Grundlage der moralischen Beurteilung und spielt eine wichtige Rolle bei der Ablehnung von Lebensmitteln, auch wenn es sich um eine angeborene Reaktion handelt.



Warum sind Insekten in westlichen Ländern kein Grundnahrungsmittel?

„Wenn 80% der Weltbevölkerung bereits Insekten isst, warum nicht auch wir?“


Die wertvollsten Wildtierarten, die domestiziert wurden, waren große terrestrische pflanzen- und allesfressende Säugetiere. Weltweit gibt es 14 solcher domestizierten Säugetiere, die jeweils mindestens 45 kg wiegen. Dreizehn dieser Tiere gab es in Eurasien, und das 14. in Amerika. Diese Tiere lieferten neben großen Mengen an Fleisch auch Wärme, Milchprodukte, Leder, Wolle, dienten zum Ziehen von Pflügen und als Transportmittel.


Evolutionär gesehen ist das Ekelgefühl bei Menschen aus westlichen Ländern kaum verwunderlich, schließlich sehen wir Insekten oft als Nahrungsmittelschädlinge. Und das, obwohl einige Insekten bereits eine Rolle in der Lebensmittelproduktion spielen, wie die Honigbiene oder die Schildlaus (Coccus cacti) bei der Gewinnung des Farbstoffs Karmin (E 120). Ekel ist aber auch ein Schutzmechanismus, der uns davor bewahrt, ungenießbare oder gar schädliche Lebensmittel zu essen. Dazu hat möglicherweise die unsichere Natur von Insekten als Grundnahrungsmittel aufgrund ihrer Saisonabhängigkeit zum Verlust des Interesses an Insekten als Nahrungsmittel beigetragen. 
Die Urbanisierung, die in westlichen Ländern stärker ausgeprägt ist, hat die Menschen von der Natur abgekoppelt. In vielen tropischen Gebieten haben die Menschen bisher ein eher ländliches Leben geführt. Es wird erwartet, dass die zunehmende Urbanisierung den Insektenverbrauch in den Ländern des Globalen Südens verändern wird.

Wie kann Ekel vor essbare Insekten überwunden werden?


Ekel kann durch positive Geschmackserlebnisse, wie z.B. das Probieren von Insekten, überwunden werden. Wie Forschungen in mehreren Ländern gezeigt haben, eignen sich verarbeitete Insekten – also solche, die unkenntlich gemacht wurden – besser für diese erste Erfahrung. 


Wie habe ich meinen Ekel vor essbare Insekten überwunden?

Zurück zu der Frage, warum ich keine Angst habe, Insekten zu essen. Vielleicht, weil ich Biologin bin und deshalb noch mehr mit der Natur verbunden bin. Außerdem bin ich als Forscherin überdurchschnittlich neugierig und probiere gerne Dinge aus. Und schließlich bin ich auch viel gereist und habe gesehen, wie andere Menschen Insekten gegessen haben.

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